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Viele-Sein – Episode 42 –

Solidarität

Was ist Solidarität und ist sie unter Gewaltbetroffenen besonders wichtig?
Wie sind wir miteinander solidarisch und welche Herausforderungen ergeben sich aus Ansprüchen solidarischen Handelns speziell für komplex traumatisierte Menschen?

Das und mehr besprechen wir in dieser Episode.

shownotes:
Lesung in Wien - Bonustrack #2

 


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2 Gedanken zu „Viele-Sein – Episode 42 –

  1. Blaetterfall

    Während ich euch zugehört habe, habe ich viel Angst und Unsicherheit empfunden und ich finde es gut, dass ihr diese Aspekte genannt habt. Gerade bei anderen Menschen mit einer Traumafolgeproblematik und besonders bei mir selbst stelle ich oft eine Unfähigkeit fest solidarisch zu sein. Ich persönlich vertraue fast Niemandem und lasse auch fast Niemanden in meine Schutzräume. Ich habe sehr große Angst vor Verantwortung oder irgendetwas zu bewirken, weil ich mein Wirken nicht mit etwas Positivem verbinde. Das heißt nicht, dass ich nicht solidarisch sein will, aber es ist so schwer. Das heißt auch nicht, dass ich es nie schaffe solidarisch zu sein, aber meistens klappt es halt nicht. Dann schade ich auch noch häufig Menschen, denen ich Solidarität zeige, weil ich etwas falsch verstanden habe. Oder ich erkläre mich mit einer Person solidarisch, die das gar nicht möchte. Andersrum erlebe ich, dass andere Betroffene eine Solidarität bei mir an einer Stelle voraussetzen, wo mir eine aufgrund meiner eigenen Geschichte gar nicht möglich ist, beispielsweise eine Geschlechtersolidarität. Für mich aber sind weibliche Schutzräume keine richtigen Schutzräume und Vertrauen Frauen gegenüber ist noch schwieriger als Männern gegenüber. Generell frage ich mich woran dieses Zusammengehörigkeitsgefühl festgemacht wird. Fühle ich mich mit Menschen, die ebenfalls ein Trauma durchgemacht haben, verbundener als mit Menschen, die beispielsweise denselben Beruf gewählt haben? Ich fühle mich lieber frei gewählt mit Menschen verbunden als durch zufällige Gegebenheiten, auf die ich keinen Einfluss hatte. Es fühlt sich die Zugehörigkeit ansonsten irgendwie aufgezwungen an. Beispielsweise bin ich mit meinen Kolleginnen solidarischer als mit meiner Chefin, obwohl ich die rechte Hand der Chefin bin. Da sie sich aber aufgrund ihres Verhaltens, das mir nicht gefällt, kein Vertrauen und keinen Respekt bei mir verdient, kann ich gar keine Solidarität empfinden. Ich habe aber oft das Gefühl, dass meine Kolleginnen untereinander solidarisch sind, weil sie dieselbe Position durch die Chefin zugeteilt bekommen, mir gegenüber jedoch nicht, da sie glauben ich hätte eine andere Stellung. Ich verstehe Solidarität auch eher so, dass sie auf Zielen beruht, die man selbst setzt.

    Das ist jetzt die Perspektive einer im Sozialen stark gestörten Person. Nicht ohne Grund beschränkt sich mein Sozialleben auf meine Beziehung (was bis vor ein paar Jahren auch nicht möglich war) und ich fühle mich auch ansonsten niemals richtig einer Gruppe zugehörig. Es gibt lediglich Tendenzen. Dennoch ist es mir beispielsweise ein großes Anliegen, dass anderen Kindern meine Erfahrungen erspart bleiben. Den Wunsch, dass es Anderen gut geht, habe ich auch ohne Solidaritätsgefühle.

    Ich finde unter Betroffenen Verständnis (zum Beispiel auch für die Unfähigkeit solidarisch zu sein) viel wichtiger. Ich finde Geduld, Respekt und Akzeptanz wichtig. Dennoch kann man sich ja wünschen solidarisch zu sein und man kann es versuchen. Ich finde, gerade andere Betroffene sollten ihre Erwartungen aber lieber runter- anstatt hochschrauben. Ihr setzt halt schon sehr viel soziale Kompetenz voraus, die Viele mit erlebtem Trauma erstmal mühsam erwerben müssen.

    Das war jetzt mal hoffentlich konstruktive Kritik. Und ich fühle mich gar nicht so richtig berechtigt sie abzugeben. 😅

    Antworten
    1. Rosenblatts

      Hey Blätterfall
      Ach ich hab das gar nicht als Kritik wahrgenommen. Ich hab ja im Abschnitt dazu, warum Solidarität wichtig ist auch erklärt, dass man sie einander beibringen kann, gerade weil viele komplex traumatisierte Menschen nicht damit aufwachsen.
      Insofern: danke fürs Teilen deiner Perspektive - und den Mut "Kritik" zu formulieren 🙂

      Antworten

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